31.7.07

Aktse, 3. Jan.

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Und jetzt seit zwei Tagen wieder dieses alles umschließende, tief hinabgesunkene, undurchdringlich verdichtete diesige Grau.Es läßt von dem wenigen Tag nur das Wenigste übrig: verschwommenes Restlicht, wo selbst am Mittag das Weiße des Schnees noch lichter erscheint als das Graue darüber. In ihm vergehen alle Farben, verlöschen alle Konturen. Lautloser Schneefall, und dann wieder lange nichts mehr als das blicklose Dunkel der Nacht.

Im Wald liegt der lose Neuschnee gut 1/2 m tief. Man sinkt in ihn ein, fast als wären es Federn, und dann noch einmal ein wenig tiefer in den verfestigten Altschnee darunter. Aber das natürlich nur, wenn man lange und breite „Skogsskidor“ hat, sonst versänke man wahrscheinlich ganz. Die Birken sehen aus, als ob sie eine Schlacht überstanden hätten, müde gebeugte Helden von 4 oder 10 m Größe. Der Stamm neigt sich hinunter zum Boden, die Äste schleifen schwer in das Weiße. Selbst wenn man den Neuschnee abschüttelt, so bleiben die Zweige vom Weißen umklammert – irgendwo in der Tiefe ist harter Schnee, umschließt das Zweigwerk mit eisigem Griff.


Seit dem Elch vorgestern niemanden mehr gesehen, auch keine Meisen, und im Schnee keine Spuren. Das Land versinkt in dem steigenden Weiß, in dem sich zum Dunkel zusammenziehenden Dämmer. Selbst in der Luft ist kein Widerstand mehr, nur noch –5° C anstatt –33° C.

Und herzergreifend ist, wenn aus der langwährenden Tiefe des Dunkels dann doch wieder Dämmer erwächst, das Weiß des Schnees an Substanz gewinnt, der Fichtenwald sich als zartes Schwarz vor dem Grau abzuzeichnen beginnt, Schemen von Birkengeäst im aufhellenden Himmel erkennbar werden:


Nichts anderes ist der Mittwintertag als der Hauch eines Traumes im langsamen Atmen des schlafenden Landes.

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(Bergtundra, S. 236)

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