Man beginnt im schattenlosen Licht des frühen Morgens zu steigen. Unter einem wird das Tal tiefer und tiefer, in den hohen Schneegipfeln der Ferne scheint Rosenrot auf.
Dann ist man über den Fichten und sieht tief unten die Eisfläche des Sees gebreitet, sieht, wie sich das große Delta dort unten hereinschiebt, mit weißen Flußarmen, erhobenen Inseln und eisgrünen Moorseen prunkt. Aus diesem Grund steigt der Schatten der Berge auf, und das Rosenrot sinkt zu ihm herab.
Schließlich erreicht man, zwischen den letzten Birken, in der sich öffnenden Weite des Kahlfjälls, die Wärme des Sonnentages:
Lichtreflexe sind im Schnee, Schatten heben das Relief jeder Windverwehung, jeder gestrichelten Eisfläche deutlich hervor, Hitze erfaßt den Körper. Ohne Jacke steigt man weiter, eisklare Luft berührt pulsierend blutwarme Haut, weiter und hoch.
Beginnender Driftschnee ist zu Wogen und Wellen verpackt, in Kanten ausgemeißelt, zerschliffen worden. Eisflächen aus grob verpreßten Kristallen fügen sich zu runden Mustern und schrägen Bahnen zusammen. Matte Flächen ziehen sich hoch, windverblasener Schnee hat sich hier auf einer dünnen Schicht Harsch verhakt und eine stumpfe Weichheit erzeugt, die beim Darüberfahren in dünnen Eisschollen hinunterbricht.
Weiter und höher, höher und weiter, bis nur noch Weite ist, weiße gerundete Formen und Linien ins Nirgendwo fallen, und tief, tief unten am Horizont die Hügel des Waldlandes blau in der Ferne vergehen...
...
(Bergtundra, S. 264)
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